AdventHealth setzt auf OpenAI: So reduziert KI den Verwaltungsaufwand im Gesundheitswesen

AdventHealth, eines der größten Gesundheitssysteme in den USA, setzt auf ChatGPT for Healthcare, um klinische Abläufe nachhaltig zu optimieren. Das Ziel ist nicht nur mehr Effizienz, sondern vor allem die Rückgewinnung wertvoller Zeit für Ärzte und Pflegekräfte. Erfahren Sie, wie das Unternehmen künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen erfolgreich im großen Maßstab einführt.

Verwaltungsaufwand als zentrale Herausforderung

AdventHealth betreibt Kliniken in neun Bundesstaaten und versorgt jährlich Millionen von Patienten. Wie viele große Gesundheitssysteme steht es vor engen Budgets, steigender Nachfrage und wachsendem administrativen Aufwand.

Der Druck macht sich vor allem im Alltag der Mitarbeitenden bemerkbar. Ärztliche Berater investieren bei der Prüfung von Einzelfällen oft rund zehn Minuten pro Fall. Diese Zeit fließt nicht in eine einzelne Aufgabe, sondern in eine ganze Sequenz: Akten lesen, Details identifizieren, Kriterien prüfen und strukturierte Begründungen verfassen. Bei hunderten oder tausenden Fällen pro Woche summiert sich das schnell.

Auch über die klinischen Rollen hinaus ist die Belastung spürbar. Teams in Finanzen, Personalwesen, IT und anderen Bereichen verbringen viel Zeit mit dem Erstellen von Dokumenten, dem Zusammenfassen von Informationen und der Vorbereitung von Materialien. Viele arbeiten nach Aussage der Verantwortlichen im constant operations mode und haben kaum Kapazität für höherwertige Aufgaben.

Adoption als strategisches Ziel

Die Führungsetage bei AdventHealth erkannte früh, dass isolierte Pilotprojekte keine nachhaltige Veränderung bringen. Die zentrale Hürde bestand darin, eine konsistente, sichere Nutzung Künstlicher Intelligenz in einer großen Belegschaft zu etablieren.

Rob Purinton, Chief AI Officer bei AdventHealth, betont: Die schwierigste Aufgabe bei KI im Gesundheitswesen ist es, Menschen dazu zu bringen, sie sicher, konsistent und im großen Maßstab zu nutzen. Deshalb entschied sich das Unternehmen, Adoption als das eigentliche Produkt zu behandeln.

Anstelle von Automatisierung steht bei der Kommunikation der Zeitgewinn im Mittelpunkt. Das Team spricht nicht von KI als Ersatz, sondern von Time back, also zurückgewonnener Zeit. Kann eine zehnminütige Überprüfung deutlich verkürzt werden, ohne Qualitätseinbußen, schafft das Kapazitäten für direkte Patientenversorgung.

AdventHealth behandelt die Adoption als messbare Kennzahl. Die Organisation verfolgt die Nachrichten pro Nutzer und Werktag und überwacht diese Metrik wie jeden anderen KPI. Zudem setzte das System auf domänenbasierte Peer-Gruppen statt zentralisierter Schulungen. Finanzteams tauschten sich mit Finanzteams aus, Personal mit Personal – so wurden Prompts und Workflows direkt für den jeweiligen Fachbereich optimiert.

Enterprise-Partnerschaft mit OpenAI

Beim Übergang von Experimenten zum unternehmensweiten Einsatz standen Datenschutz, Governance und Zuverlässigkeit an erster Stelle. Purinton erklärt: Wir haben uns für OpenAI entschieden, weil wir keine Demo suchten, sondern Enterprise-Infrastruktur. Die Reasoning-Fähigkeiten, strukturierten Outputs und Governance-Controls gaben dem Team die Sicherheit, die Lösung verantwortungsvoll zu skalieren.

AdventHealth setzt ChatGPT Enterprise und später ChatGPT for Healthcare ein. Diese Versionen bieten zusätzliche Schutzmaßnahmen für regulierte Umgebungen, einschließlich Datenschutz und Compliance-Unterstützung. Auch die Innovationsgeschwindigkeit und die enge Zusammenarbeit mit OpenAI waren laut Purinton entscheidend für die Partnerschaft.

Praxisbeispiele aus dem Klinikalltag

Einer der frühesten und messbarsten Einsatzbereiche ist das Nutzungsmanagement. Mithilfe von ChatGPT for Healthcare können ärztliche Berater strukturierte Zusammenfassungen von Patientenakten erstellen, relevante klinische Details aufbereiten und erste Begründungen entwerfen. Die endgültige Entscheidung liegt weiterhin beim Menschen, aber der Informationsaufbau wird deutlich beschleunigt.

Das Unternehmen misst die Auswirkungen anhand systeminterner Daten, etwa Zeitstempeln in der elektronischen Patientenakte, statt auf Selbstauskünfte zu setzen. Diese prozessintegrierten Messungen zeigen exakt, wie viele Minuten eingespart werden und ob die Veränderung statistisch signifikant ist.

Entlastung über alle Abteilungen hinweg

Neben klinischen Workflows zeigen sich ähnliche Muster in anderen Bereichen:

  • Dokumente und Pläne entstehen auf Basis eines KI-generierten Erstentwurfs statt einer leeren Seite.
  • Richtlinien und Kommunikation werden in strukturierte, nutzbare Formate überführt.
  • Notizen und unstrukturierte Informationen werden schnell in Handlungsschritte zusammengefasst.

Diese Veränderungen verkürzen Durchlaufzeiten, reduzieren Korrekturschleifen und erhöhen die Konsistenz der Ergebnisse.

Messbare Erfolge durch Zeitersparnis

AdventHealth bewertet den KI-Einsatz entlang zweier Dimensionen: Adoption und Workflow-Performance. Die tägliche Nutzungsüberwachung schafft Verantwortlichkeit und Transparenz darüber, wie schnell KI zum festen Bestandteil der Routine wird.

Auf der Workflow-Seite werden Pilotprojekte anhand von Durchsatzmetriken bewertet: Zeit pro Aufgabe, Bearbeitungszeit und verarbeitetes Volumen. Im Nutzungsmanagement geht es darum, die Prüfzeit zu reduzieren und gleichzeitig Qualität sowie Konsistenz zu wahren.

Über alle Abteilungen hinweg berichten die Teams von konkreten Erleichterungen:

  • Weniger Zeit für repetitive Dokumentations- und Prüfaufgaben
  • Schnellere interne Arbeitsabläufe
  • Weniger Nacharbeit durch konsistentere Erstentwürfe
  • Mehr Kapazität ohne zusätzliches Personal

Rob Purinton bringt es auf den Punkt: Wenn eine zehnminütige Aufgabe auf zwei Minuten reduziert wird und das tausendfach pro Woche geschieht, entsteht echte Kapazität. Die zentrale Frage lautet, wie diese Kapazität reinvestiert wird.

Ein eindrückliches Beispiel ist ein Arzt, der früher abends Dokumentationen nachholte, die sogenannte Pajama Time. Nach der Einführung KI-gestützter Workflows schaffte er seine Arbeit innerhalb der regulären Arbeitszeit und konnte den Abend mit seiner Familie verbringen.

Ausblick: Ganzheitliche Versorgung stärken

Bisher stammen die messbaren Erfolge hauptsächlich aus der Reduzierung bestehender Aufgaben. AdventHealth betrachtet dies jedoch nur als Ausgangspunkt. Das Unternehmen plant die Expansion in Bereiche wie Patient Access, klinische Entscheidungsunterstützung und neue Versorgungsmodelle.

Dabei bleibt der Fokus auf Governance, Messbarkeit und Vertrauen. Die Kernbotschaft der Führungsebene lautet: Das Skalieren von KI hängt weniger von der Technologie selbst ab als von der Art und Weise, wie sie eingeführt und genutzt wird. Adoption bedeutet nicht einfach Produkt nutzen, sondern Change Leadership. Wer den Wert beweist und mit Vertrauen führt, kommt über das Pilotstadium hinaus.

Quelle: OpenAI – AdventHealth

Becker Julian